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MAGMA #2

SHEDHALLE ZUG, ZUG
10.11.2018 - 28.11.2018

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Das erweiterte Feld der Malerei

Oft schon wurde das traditionsreiche Medium der Malerei totgesagt und ist dann doch wieder auferstanden. Diese Feststellung könnte angesichts der Rekordpreise, die Gemälde gegenwärtig erzielen, müssig erscheinen. Doch macht der ambivalente Status der Malerei – pendelnd zwischen Gestrigkeit und Aktualität – auf zweierlei aufmerksam: Erstens verweist der Disput darauf, dass sich die Malerei in der Moderne immer wieder gegen andere, oftmals neuere Medien behaupten musste. Das begann 1839 mit der Erfindung der Fotografie, die den Maler Paul Delaroche ausrufen liess, die Malerei sei tot. Zweitens zeigt das Überleben der Malerei die Wandelbarkeit des Mediums sowie die Fähigkeit von Kunstschaffenden, es immer wieder für sich zu entdecken und jedes Mal neu zu erfinden. So hat sich die Malerei stetig weiterentwickelt, hat ihre eigenen Grenzen gesprengt und damit äusserst erfolgreich gegenüber anderen Medien zu bestehen vermocht. Dieser Essay will ein Verständnis der Disziplin und der verschiedenen künstlerischen Manifestationen in unserer Zeit vermitteln und aufzeigen, wo überall sich Malerei heute lokalisieren lässt.

 

Vielfalt der Kunst

Unsere Kunstwelt lässt sich – man - gels eines besseren Begriffs – mit dem Etikett des «Pluralismus» charakterisieren. Der Begriff bezeichnet mindestens zwei Tendenzen: Einerseits signalisiert er die Tatsache, dass es keine dominanten Kunststile mehr gibt und die Suche nach einer «reinen» Sprache in jedem visuellen Medium zu einem sinnlosen Unterfangen wird. Andererseits beschreibt er eine Haltung des «anything goes», die qualitative Bedenken 18 19 zugunsten einer Art von Toleranz beiseite schiebt und alles als gleichwertig akzeptiert. Arthur C.Danto sieht die erste Auffassung von Pluralismus als das Resultat der Veränderungen in der Kunstwelt seit den 1960er-Jahren und der damals beginnenden umfassenden Krise des Kunstobjekts. Das künstlerische Objekt büsste den überlegenen Status gegenüber anderen Objekten der realen Welt ein. Es unterlag diesen zwar auch nicht, wurde ihnen aber zu ähnlich, um eine ästhetische Unterscheidung zu ermöglichen – man denke an Andy Warhols Brillo Boxes, die in Marcel Duchamps Readymades ferne Vorläufer haben. Kunst wurde damit zu einem philosophischen Gegenstand und betrat eine Bühne, die man als posthistorisch oder postmodern bezeichnen kann – eine Bühne, die den Künstler und das Kunstobjekt von den bisher gültigen Funktionen zu befreien schien. Pluralismus ist auch politischer Natur, wenn er sich mit nationalen und internationalen Identitäten aus einer globalisierten kulturellen Perspektive beschäftigt. So wird aus der Warte einer westlichen Perspektive von anderen Kulturkreisen die Rückkehr zu primitiven Gesten und gesellschaftlichen Sitten erwartet und damit ein Exotismus fördert, der die bildenden Künste dieser Kulturen in eine anthropologische Unternehmung verwandelt. Ein solcher Pluralismus situiert die Herstellung von Kunst und Theorie in ihrer eigenen Sphäre, während der Rest der Welt zu einer Provinz wird, die bestenfalls Kunst und Theorie hervorbringt, sich auf ihre eigenen Bereiche des Nationalen beschränkt und im schlimmsten Fall kulturelle Rohmaterialien anbietet, die später in der Erstwelt verarbeitet und mit akademischem oder kulinarischem Mehrwert versehen wird. Pluralismus ist dann als eine hegemoniale kulturelle Tendenz zu identifizieren. Der Kritiker Fredric Jameson spricht von einer «kulturellen Logik des Spätkapitalismus», einer Logik, die, so Hal Foster, auf den Mitteln der kulturellen Produktion basiert, die vom Westen in andere Breitengrade exportiert werden Robert Morgan wiederum erkennt die Präsenz des Pluralismus in der Kunstwelt an und schlägt vor, zwischen einer «symptomatischen» und einer «signifikanten» Art von Kunst zu unterscheiden. Erstere sei eine Art «Spektakel» im Sinne von Guy Debord: weniger ein künstlerisches als vielmehr ein modeweltbezogenes Ereignis, das eng mit dem neokolonialen Verständnis von Pluralismus assoziiert ist. Im Gegensatz zum Spektakel sei «signifikante» Kunst tendenziell intimer, aber auch mit einer «kraftvoll denkenden Idee» vereinigt, die sich in einer Vielzahl von Stilen und Formen ausdrücken lässt. Darüber hinaus biete diese Kunst auch einen Ort des Widerstands gegen die Vorstellung, dass die gesamte Kultur vorherbestimmt sei und keine Originalität besitze, sie daher austauschbar und notwendigerweise ephemer sei. Diese Vorherrschaft des Pluralismus in seinen verschiedenen Bedeutungen hat so manchen Kritiker zu dem Schluss kommen lassen, dass die Kunst tot sei.

 

Malerei im Spannungsfeld moderner Medien

Wenngleich davon ausgegangen werden kann, dass die Malerei im Besonderen heute vermeintlich nicht mehr die weitverbreitete kulturelle Resonanz geniesst wie in den vorangegangenen etwa 400 Jahren, bedeutet dies nicht, dass das Das erweiterte Feld der Malerei gesamte Medium dem Untergang geweiht ist und niemand sich um seine Erhaltung kümmert. Mithilfe eines literarischen Texts von Rosalind Krauss’ Überlegungen zur Skulptur und dem eigenen Verständnis von Malerei im Verhältnis zu anderen künstlerischen Erscheinungsformen lässt sich eine Herleitung der Malerei im Spannungsfeld moderner Medien folgern. Krauss bezieht sich auf die historische Dimension, in ihrem Fall der Skulptur, die im Laufe der Zeit unterschiedliche logische Phasen durchlaufen kann. Sie identifiziert künstlerische Praktiken, die den Status der Skulptur als Monument infrage stellen. Als Ergebnis dieser Herausforderung konstatiert Krauss, dass der Begriff der Skulptur seit den 1960er-Jahren sowohl in praktischer als auch in logischer Hinsicht gewachsen sei, um Bereiche von Kunstaktivitäten zu benennen, die bisher nicht mit der Skulptur in Verbindung standen. Zu diesen Bereichen gehören Land-Art, markierte Orte, quasi-architektonische Gebilde und die Werke so unterschiedlicher Künstler wie Bruce Nauman, Richard Serra, Walter De Maria, Morris Louis, Robert Smithson, Robert Irwin oder Sol LeWitt. Wie würde also die Malerei in einem erweiterten Feld aussehen? Und welche Konsequenzen könnte eine solche Lesart der Malerei für das Verständnis des Mediums in einer pluralistischen Kunstwelt haben? Wenn man einige sehr allgemeine Merkmale der Malerei benennen will, die sich auf ihren Status als Kulturwährung und ihre Zirkulation in der Kulturwirtschaft der Kunstwelt beziehen, kann eine Gegenüberstellung nützlich sein. Krauss empfiehlt die Verwendung der Kategorien Einzigartigkeit und Reproduzierbarkeit als entgegengesetzte Begriffe. Man kann allerdings Einzigartigkeit und Reproduzierbarkeit auch als die polaren Extreme desselben Spektrums betrachten. Damit sind wir in der Lage, Zwischenstufen zwischen diesen beiden Extremen zu akzeptieren. Zunächst ist aber ein anderes bipolares Begriffspaar aufzunehmen: Dreidimensionalität und Bewegung – zwei Aspekte, die der Malerei, so wie sie klassischerweise verstanden wird, fehlen. Auch sollten einige widersprüchliche Merkmale beziehungsweise künstlerische Manifestationen berücksichtigt werden, die durch Dreidimensionalität und Bewegung gekennzeichnet sind. Die vorgeschlagenen Begriffspaarungen ermöglichen es uns, in die erweiterten Kategorie «Malerei» künstlerische Manifestationen zu integrieren, die heute entweder nicht miteinander in Beziehung sind (Körperkunst und digitale Kunst) oder als Gegenentwurf zur Malerei begriffen werden, etwa die Installationskunst. Ein Beispiel ist auch die Fotografie, die mit der Malerei gemeinsam hat, dass sie faktisch nicht über die Eigenschaften der Dreidimensionalität und der Bewegung verfügt und lediglich zu simulieren vermag. Gleichzeitig verbindet sie vieles mit dem Video, einem Medium, das Bewegung zur Voraussetzung hat. Auch die Installation steht nun in Verbindung mit der Malerei, indem einige der gleichen Problemstellungen fundamental für sie sind, das heisst Raum, Farbe, Komposition und dergleichen. Dabei interessieren besonders die Wandelbarkeit und Vielseitigkeit des Mediums.

In Bezug auf die Gruppenausstellung MAGMA#2 wird die Intention deutlich, dass die Malerei ihre Grenzen neu auslotet und dabei selbst zum Versuchsfeld geworden ist. Hierbei zeigen sich drei Kategorien, die von der traditionellen Präsentationsform wie beim Werk von Pia Fries, Irene Bisang, Beat Bracher, Doris Schläpfer, Monika Kiss Horváth, Lipp & Leuthold und Jonas Burkhalter deutlich werden. Zweiter findet sich eine Einordnung hin zu einer intermedialen, raumgreifenden Herangehensweise wie bei Romuald Etter, Christian Herter und Anna-Sabina Zürrer. Einige beteiligte Kunstschaffende gehen schliesslich in die dritte Dimension und in Richtung ortspezifische Installation wie Sara Gassmann, Christian Kathriner, Pascale Birchler und mit Einbezug der digitalen Medien das Werk von Matthias Moos. Die Präsentationsformen haben sich zu einem wesentlichen Bestandteil der Werke entwickelt. Vor allem dieses installative Verfahren, das die Betrachter in Bewegung versetzt, scheint dazu prädestiniert zu sein, die Erfahrung der prozessualen, veränderlichen, momentanen, zeitlichen Eigenschaften der Realität zu thematisieren. Somit zeigt sich das unverkennbare Merkmal zeitgenössischer Malerei in der grossen Vielfalt der in der Gruppenausstellung präsentierten Ausdrucksformen. Das erweiterte Feld, wie es hier bislang beschrieben worden ist, ist also nicht als statischer Raum zu erachten, in dem sich Werke isoliert befinden, sondern als eine Umgebung, in der Veränderungen nicht nur möglich sind, sondern sich kontinuierlich ereignen. Eine solche Umgebung kann man sich als Ausstellungsraum vorstellen. Die Konzeption des erweiterten Feldes der Malerei als Gestaltungsraum gestattet die Verschiebung von Positionen und eröffnet also die Möglichkeit kontinuierlicher Transformationen der Kunstwerke. Um dieser Auslegeordnung ein historisches Element hinzuzufügen, könnte man die Hypothese wagen, dass die Malerei im Laufe der Geschichte einige der Gebiete, die sie vormals für sich selbst in Anspruch nahm, sozusagen «verschenkt» hat und dass diese «Erweiterung» durch verschiedene Formen und Medien, die heute vorherrschen, bezeugt wird. Die Bedeutung des Sehens scheint auf den Bereich der Installations- und Performancekunst übertragen worden zu sein, in dem der eigentliche Raum ein wichtiger Bestandteil des Werks ist. Das ehemalige visuelle Monopol der Malerei hat sich aufgelöst und wird heute von vielen Kunstformen geteilt, die wir im Kontext eines erweiterten Feldes antreffen, wo künstlerische Ausdrucksmittel, die traditionell als gegensätzlich zur Malerei oder zueinander betrachtet werden, nun nicht mehr unbedingt gegensätzlich sind. Das erweiterte Feld der Malerei, wie es in dieser Ausführung dargelegt wird, ermöglicht, dass die Kunstwerke «verkörpert» werden und nicht nur Darstellungen von Bedeutungen sind. Mit anderen Worten ist es gerade nicht pluralistisch im Sinne der «Anything goes»-Haltung, die mehr mit der Welt des Spektakels und der Mode zu tun hat als mit jener Form von Kunst, die intim und kraftvoll gedacht ist. Das vorgeschlagene Denkmodell bietet auch die Möglichkeit für die Reinvestition des Mediums der Malerei in der Bedeutung, die es seit einiger Zeit verloren hat. Das erweiterte Feld bietet auch die Möglichkeit von Transformationen und Bewegungen in einer oder mehreren Dimensionen gleichzeitig, die sich von einer Ausdrucksform oder einem gegebenen

Objekt zu anderen verschieben, es verlangt sogar nach Hinzufügung neuer visueller Dimensionen. In diesem Zusammenhang, um nur ein Beispiel zu nennen, ist das Aufkommen der computergenerierten Kunst nur eine Verschiebung weg vom Feld der Malerei, Fotografie und der Reproduzierbarkeit. Darüber hinaus ist das hier skizzierte Feld noch offen für neue künstlerische Manifestationen, die uns auf die Existenz neuer Dimensionen aufmerksam machen und neue Wege des Erkennens und Navigierens eröffnen. Die Ausrichtung der Malerei auf diese Weise aktiviert sie und feiert ihre Vielfalt, die bereits stattfindet.

Projektorganisation: Patrick Bussmann, Romuald Etter, Henri Spaeti

 

Kuration: Patrick Bussmann

Kunstvermittlung: Lotti Etter

Medienarbeit: Lena Pfäffli

Künstlertexte: Naemi Meier

Lektorat: Dr. Holger Steinemann

Layout und Design: BÜRO ZWOI

Produktion: BÜRO ZWOI

Druck/Heftung: Gamma Print

Ask-Me/Aufsichtspersonen der HSLU – Studiengang Kunst & Vermittlung:

Sinja Bertschi, Regula Brassel, Anouk Koch, Marlène Pichler

Kollaboration: _957-Magazin; Stephan Wittmer

 

Podiumsgespräch:

Moderation: Jana Bruggmann, Kunstkritikerin, Luzern

Teilnehmer: Dr. Matthias Haldemann, Direktor Kunsthaus Zug; Laura Breitschmid, Kuratorin, sic! Raum für Kunst, Luzern;

Pascale Birchler, Künstlerin, Zürich

 

Konzert:

LOREN [Boon, Davix, Rabe]

Unterstützer:

Diese Gruppenausstellung konnte dank grosszügiger finanzieller Unterstützung folgender Partner realisiert werden:

Castelli Werbetechnik, BÜRO ZWOI visuelle Kommunikation, Luzerner Bier, Holzart Schreinerei Hochdorf, Gehrig Drogerie und Farben, Gammaprint, Hürlimann-Wyss Stiftung Zug, Ernst Göhner Stiftung, Casa Tessuti, Casimir Eigensatz Stiftung, Kanton Zug, Stadt Zug, Alice und Walter Bossard Stiftung, Swisslos Kulturförderung Kanton Luzern, Stadt Luzern FUKA-Fonds, Confiserie Speck, die Mobiliar, Swisslos Kulturförderung Kanton Obwalden, Migros Kulturprozent, zentralplus, Landis&Gyr Stiftung

Verein MAGMA-Triennale

Lavendelweg 8

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